Bauern in der Region leiden unter Umsatzeinbrüchen

VR-Bank Rhein-Sieg und Raiffeisenbank Much-Ruppichteroth legen Liquiditätsprogramm für die Landwirtschaft auf

28.10.2015

„Wo sind wir mittlerweile gelandet, wenn im Supermarkt der Liter Milch preisgünstiger zu erwerben ist als Wasser oder Bier“, fragt sich Holger Hürten, Vorstandsmitglied der VR-Bank Rhein-Sieg.

Einmal mehr gestaltete sich das aktuelle Jahr für die regionale Landwirtschaft schwierig. Wetterkapriolen und politische Einflüsse führen dazu, dass die Landwirte zunehmend von ihrer Substanz leben müssen.

In Deutschland erzielen die Milchbauern den niedrigsten Milchpreis aller europäischen Länder. Aber nicht nur der Preis macht den Bauern zu schaffen, sondern auch die rückläufigen Absatzzahlen, die größtenteils politisch verursacht sind. So führt die Embargopolitik Russlands dazu, dass die Käseproduktion stark rückläufig ist. Ebenso sorgt die Unsicherheit in Bezug auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft zu Einbrüchen bei den Exporten.

Bei den Weizenpreisen sieht es nicht viel besser aus. „In diesem Segment geht es nur noch um Spekulationsgeschäfte im Rahmen von Terminkontrakten“, erläuterte Ralf Löbach, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Much-Ruppichteroth. Für die Landwirte gibt es nur zwei Alternativen: Entweder man verkauft den Weizen deutlich unter Marktwert oder aber man entscheidet sich für die teure Einlagerung des Getreides, wozu sich bereits zahlreiche Landwirte in der Region entschlossen haben.

Theo Brauweiler, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Bonn Rhein-Sieg, ergänzte, dass die gleiche Problematik auch die Landwirte betreffe, die sich mit Fleischproduktion und Schweinezucht beschäftigen.

Summa summarum führt diese Entwicklung dazu, dass die Einkommen der Bauern rückläufig sind. Um nicht noch stärker aufgrund aktuellen Liquiditätsbedarfs an die Substanz des Unternehmens gehen zu müssen, haben die beiden Genossenschaftsbanken ein Liquiditätsprogramm für die Landwirtschaft aufgelegt.

Für kurzfristigen Liquiditätsbedarf – bis zur Auszahlung der Flächenprämien – bieten die Banken ein eigenes Programm zu attraktiven Konditionen an. Bei mittelfristigem Bedarf greifen die Bänker auf Programme der Landwirtschaftlichen Rentenbank zurück.

Da sich jeder landwirtschaftliche Betrieb anders darstellt, sollten die Landwirte dringend das Gespräch mit ihrer Bank suchen, um die individuelle Situation zu besprechen. 

Unser Foto zeigt v. l.: Holger Hürten, Ralf Löbach, Rainer Buhrandt, Spezialberater Landwirtschaft, und Theo Brauweiler