Europapolitik und die Mafia in Deutschland

Neujahrstreff der VR-Bank Rhein-Sieg mit bewegenden Themen

07.01.2016

Troisdorf: Am ersten Mittwoch im neuen Jahr lädt die VR-Bank Rhein-Sieg zum traditionellen Neujahrstreff ein. In diesem Jahr konnten der Vorstand und die zahlreichen Führungskräfte der Bank über 600 Gäste, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft, in der Jabachhalle in Lohmar begrüßen.

Die Gastrednerin des Abends war aus Venedig angereist, wo sie seit über zwanzig Jahren lebt. Die deutsche Journalistin und Autorin Petra Reski konfrontierte die Anwesenden im Rahmen ihres Vortrages „Die Mafia in Deutschland: ein Fall für die Psychotherapie“ mit Aussagen, die viele nicht für möglich gehalten hatten.

Zunächst ließ Dr. Martin Schilling, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Rhein-Sieg, das gerade abgelaufene Jubiläumsjahr noch einmal Revue passieren. Viele Aktivitäten und Aktionen richteten sich an die über 100.000 Kundinnen und Kunden der Genossenschaftsbank. Dabei wurde das eigentliche Bankgeschäft nicht aus den Augen verloren: „2015 war für unsere Bank in jeder Hinsicht ein gutes Jahr“, fasste Dr. Martin Schilling zusammen. Dazu gehören auch die konstruktiven und erfolgversprechenden Gespräche im Hinblick auf die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank Much-Ruppichteroth seit Sommer des vergangenen Jahres.

Sorgen bereiten dem Bankdirektor allerdings die vielen Veränderungen und Herausforderungen: angefangen bei immer neuen gesetzlichen Regulierungen über schwierige gesamtwirtschaftliche Rahmendaten bis hin zu neuen Technologien und deren Folgen für den Wettbewerb oder das Verbraucherverhalten im Rahmen der Digitalisierung. Die Zeichen, die in diesem Zusammenhang aus Europa kommen, machen die Sache nicht leichter. Die Einflussnahme auf das originäre Bankgeschäft und die anhaltende Niedrigzinsphase führen dazu, dass die Erträge von Jahr zu Jahr schrumpfen und die Banken unter zunehmenden Kostendruck geraten. Frühzeitig die Auswirkungen zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten bzw. zu planen, ist daher das Gebot der Stunde.

Anschließend begrüßte Dr. Martin Schilling, auch im Namen seines Vorstandskollegen Holger Hürten, die Gastrednerin des Abends, die Journalistin und Autorin Petra Reski.

1958 in Unna geboren, schreibt die mutige Journalistin seit Jahren über die Gefahren der organisierten Kriminalität. Heute ist Petra Reski neben Roberto Saviano – ebenfalls Journalist und Schriftsteller – die wohl bekannteste Mafia-Expertin Italiens, die für ihre Arbeit in ihrer Wahlheimat Italien mit zahlreichen Preisen geehrt wurde.

Die Vorstände Dr. Martin Schilling und Holger Hürten begrüßten Petra Reski
Die Vorstände Dr. Martin Schilling und Holger Hürten begrüßten Petra Reski

In ihrem Vortrag anlässlich des Neujahrstreffs der VR-Bank beschäftigte sich Petra Reski im Wesentlichen mit der Frage, warum es der Mafia in Deutschland so leicht gemacht wird. Verantwortlich dafür macht sie in erster Linie die lasche Gesetzgebung in Deutschland, die Abhören praktisch unmöglich macht, das Beschlagnahmen von Mafiagütern nur theoretisch erlaube oder aber die Mafiazugehörigkeit erst dann strafrechtlich zählt, wenn die Vorbereitung eines konkreten Verbrechens nachgewiesen werden kann.

Daher bezeichnen nicht nur italienische Strafverfolger, sondern auch deutsche, Deutschland als gelobtes Land für die Verbrecherkartelle, da die deutsche Justiz die Aktivitäten der Mafia in Deutschland völlig unterschätzt.

Petra Reski ist davon überzeugt, dass sich die Mafia bereits seit vierzig Jahren in Deutschland, und hier speziell im Ruhrgebiet, eingerichtet hat. Allerdings macht sie dies so geschickt, dass sie die Deutschen in dem Glauben bestärkt, sie sei nur in Italien aktiv, prangert die mutige Journalistin an. Der Mafia geht es nicht allein um Geld, sondern auch um Macht. Dies hätten viele deutsche Unternehmer schon am eigenen Leib gespürt, etwa bei öffentlichen Ausschreibungen, die von Unternehmen gewonnen wurden, die sich auf mafiöse Subunternehmer stützen. Mafiöse Unternehmer haben die Wirtschaft in Deutschland seit Jahrzehnten unterwandert, führte sie aus.

Nachdem die zierliche Frau verschiedentlich bedroht wurde, insbesondere nach der Veröffentlichung von Sachbüchern, schreibt sie inzwischen Mafia-Romane. Weil sie der Wahrheit mit den Mitteln der Literatur näher zu kommen glaubt, als mit denen der investigativen Reporterin.

Wie anerkannt und hochgeachtet die tiefgehenden  Kenntnisse über organisierten Kriminalität von Petra Reski sind, wird auch daran deutlich, dass die berühmte amerikanische Krimiautorin Donna Leon sich von der Deutschen für ihre Brunetti-Romane beraten lässt. Alles, was sie über die Mafia wisse, hat Donna Leon einmal gesagt, wisse sie von Petra Reski.

Mit lang anhaltendem Applaus, aber auch einer gewissen Betroffenheit über die mafiösen Strukturen gleich in unserer Nachbarschaft,  wurde die Wahl-Venezianerin von der Bühne verabschiedet.