VR-Bank Rhein-Sieg beschäftigt syrischen Praktikant

Mitarbeiter sorgen für ein neues wohnliches Zuhause

26.07.2016

Ein Sprinter und ein Bus, vollgepackt mit Mobiliar, hielten am Samstagmittag vor dem Haus, in dem sich die Wohnung des syrischen Flüchtlings Erwa Hassun befindet. Über Michaela Walter, Kundenberaterin in der Geschäftsstelle Sieglar der VR-Bank Rhein-Sieg, war der syrische Flüchtling an die Wohnung in Friedrich-Wilhelms-Hütte gekommen. Natürlich eine leere Wohnung, in der sich nichts außer zwei Leihbetten befanden. Geld für eine neue Wohnungseinrichtung fehlt dem  jungen Mann. So entstand die Idee von Andrea Schrahe, Abteilungsleiterin Marketing/ Öffentlichkeitsarbeit, im Kreis der Belegschaft der VR-Bank Rhein-Sieg nach Mobiliar für die Wohnung zu fragen. Zuvor hatte eine Bestandsaufnahme stattgefunden, wonach eine Liste der benötigten Möbelstücke und sonstiger Utensilien erstellt worden war. Die Resonanz aus der Belegschaft war gross, so dass die komplette Wohnung eingerichtet werden konnte. Sascha Gross aus dem Baumanagement der VR-Bank  übernahm die Koordination der Möbelabholung von Neuwied über Windhagen bis nach Neunkirchen-Seelscheid, Bonn und Troisdorf und packte mit drei weiteren Helfern an, damit die Möbel in der Wohnung am rechten Fleck stehen. Andrea Schrahe übernahm die Inneneinrichtung und sorgte unter anderem mit Accessoires für eine wohnliche Atmosphäre. Die noch notwendigen  Sanitär- und Elektroarbeiten übernehmen ebenfalls ehrenamtlich Handwerksunternehmen. Die Tomic GmbH aus Troisdorf-Kriegsdorf schließt die Spüle an und die Firma PWK aus Lohmar sorgt für Licht in den Räumen und schließt den Elektroherd an. Erwa Hassan kam gar nicht mehr aus dem Staunen heraus und konnte immer nur „Danke“ sagen.

Ein langer Weg liegt hinter Erwa Hassun, einem 38-jährigen Flüchtling aus Syrien. Um dem Terror des IS zu entkommen, hatte er im Sommer 2015 alles in der Heimat zurückgelassen und den gefährlichen Weg über das Meer gewählt, um nach Deutschland zu kommen. Nach mehreren Stationen in Troisdorf angekommen, wurde er in der Flüchtlingsunterkunft des Pastor-Böhm-Hauses in Troisdorf-Sieglar untergebracht. Dort kümmern sich unter anderem der Sieglarer Diakon Klaus Ersfeld und Joachim Sikora, Flüchtlingsbetreuer der katholischen Kirche, um die ankommenden Menschen und versuchen diesen eine Perspektive aufzuzeigen.

So kam der erste Kontakt zur VR-Bank, die in Sieglar in unmittelbarer Nähe zum Pastor-Böhm-Haus einen ihrer 28 Standorte hat. Diakon Joachim Sikora fragte bei unserem Vorstand Holger Hürten an, ob die Bank sich vorstellen könne, einem syrischen Flüchtling, der in Damaskus im Bankwesen gearbeitet hatte, einen Praktikumsplatz anzubieten. Schnell war die positive Entscheidung getroffen.

Bei dem eindrucksvollen Lebenslauf fiel Christian Seigerschmidt, Direktor Geschäftsstellen, die Entscheidung leicht, den syrischen Flüchtling als Praktikanten bei der VR-Bank Rhein-Sieg einzustellen. Erwa Hassun hat Informatik studiert. Das große Interesse an Finanzthemen und die Leidenschaft für Zahlen veranlassten ihn jedoch den Fachbereich noch einmal zu wechseln und ein Studium der Fachrichtung „Banking und Versicherung“ erfolgreich zu absolvieren. Bis zu seiner Flucht arbeitete er in der kooperativen Landwirtschaftsbank in Syrien als Kreditsachbearbeiter. Neben seiner Muttersprache Arabisch, spricht Erwa Hassun auch Englisch und bereits ein solides Deutsch. In der Geschäftsstelle in Sieglar unterstützte er schon im ersten sechswöchigen Praktikum von Ende März bis Anfang Mai.

Solange das Integrationsverfahren noch läuft arbeitet Erwa Hassun seit Juli weiterhin als Praktikant mit einem Arbeitseinsatz von elf Stunden pro Woche bei der VR-Bank Rhein-Sieg. So bleibt ihm genug Zeit die rund 600 Stunden Deutschunterricht zu besuchen, um die Abschlussprüfung am Ende des Integrationsverfahrens erfolgreich zu meistern. Bei allen Behördengängen ist ihm Michaela Walter weiterhin behilflich. Aktuell hat ein Einstufungstest ergeben, dass seine Deutschkenntnisse schon so gut sind, dass die ARGE ihm ab 29. September einen Intensivsprachkurs ermöglicht.

Besonders am Herzen liegt Erwa Hassun sein Einsatz in der Geschäftsstelle Niederkassel. Gemeinsam mit den Kollegen vor Ort händigt er den 70 bis 90 Flüchtlingen am Ende jeden Monats „Schecks“ von der Stadt Niederkassel aus. Er ist einer von ihnen und weiß deshalb ganz genau, wie sie sich fühlen und wie mit ihnen umzugehen ist. Ruhig und verständnisvoll kommuniziert er mit den Flüchtlingen in seiner Landessprache und hilft diesen, sich in der VR-Bank zurechtzufinden, insbesondere beim Umgang mit den Geldautomaten. Da es in Niederkassel und Lohmar keine Stadtkassen mehr gibt, werden Sozialgelder dieser Art dort in Form von Schecks ausgegeben.

„Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit unserem neuen Kollegen und hoffen, dass sich bald sein sehnlichster Wunsch erfüllt: Seine Verlobte kann auch nach Deutschland kommen“, so Christian Seigerschmidt, Direktor Geschäftsstellen.

Einmal mehr hat sich die genossenschaftliche Idee von „Viele schaffen mehr“ bewahrheitet: diesmal im privaten Umfeld durch die Hilfe vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VR-Bank.