Heimat und Hightech

... die Zukunft der Volksbanken und Raiffeisenbanken

16.02.2018

Gesamt-Kundenvolumen kratzt an der 20-Milliarden-Grenze

Bonn/ Rhein-Sieg-Kreis

Wir leben in spannenden Zeiten – Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen mit der Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Trotz chronischer Minizinsen und harter Regulierung, lässt sich im Bankgeschäft noch Geld verdienen. Erfolgreich werden aber nur die Banken sein, die konsequent an ihren Prozessen arbeiten, die ihre Digitalisierung vorantreiben und die eine strikte Kostenstruktur pflegen.

„Wir sind gefordert, den Wandel und die Tradition erfolgreich zu vereinen: Als genossenschaftliche Organisationen haben wir eine besondere Verantwortung für unsere Region und die Menschen in unserer Heimat. Unsere Ziele sind und bleiben die Förderung unserer Mitglieder, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem regionalen Mittelstand und das faire und vertrauenswürdige Angebot an alle unsere Kunden“, erläuterte Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Köln Bonn.

„Diese Grundlagen unseres genossenschaftlichen Charakters werden durch den technischen Wandel und größer werdende Einheiten nicht verändert. Vielmehr setzen wir die neuen Möglichkeiten ein, um als vertrauenswürdige Ansprechpartner und Dienstleister für unsere Mitglieder und Kunden da zu sein“, ergänzte Dr. Martin Schilling, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Rhein-Sieg.

v. l.: Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender Volksbank Köln Bonn, und Dr. Martin Schilling, Vorstandsvorsitzender VR-Bank Rhein-Sieg

Dies spiegelt das Geschäftsjahr 2017 anschaulich wider. Die zwei Raiffeisenbanken (Rheinbach-Voreifel und Rosbach), die zwei VR-Banken (Bonn und Rhein-Sieg) und die Volksbank Köln Bonn konnten zum Jahresende 2017 das Kreditvolumen um 7,03 Prozent auf 6,26 Milliarden Euro erhöhen (2016: 5,85 Mrd. Euro). Bei den Kundeneinlagen zeigt sich trotz anhaltender Niedrigzinsphase mit einer Steigerung von 5,28 Prozent ein solides Wachstum. Die Kunden unterhalten auf ihren Konten,  die sie bei den fünf Genossenschaftsbanken führen, insgesamt 7,42 Milliarden Euro in Form von Sicht-, Termin- oder Spareinlagen (2016: 7,04 Mrd. Euro). Zusammen vereinigen die Kreditinstitute auf sich eine Bilanzsumme von 9,45 Milliarden Euro (2016: 9,04 Mrd. Euro), welches einer Steigerung von 4,61 Prozent entspricht.

Das Gesamtkundenvolumen (Summe aus Aktiva und Passiva plus Verbundgeschäft) beläuft sich per Jahresultimo 2017 auf 19,70 Milliarden Euro gegenüber 18,67 Milliarden Euro vor einem Jahr (+ 5,53 %).

Die Ertragslage in den Instituten ist stabil, wozu auch die entspannte Risikosituation im Kunden-Kreditgeschäft beiträgt. Besonders erfreulich ist sowohl der Zuwachs beim Zinsüberschuss um 7,75 Prozent auf 180 Millionen Euro (2016: 167 Mio. Euro) als auch beim Provisionsüberschuss um 8,10 Prozent auf 70,53 Millionen Euro (2016: 65,25 Mio. Euro). „Beide Kennziffern sind ein deutliches Indiz für die gute Arbeit im Geschäftsjahr 2017. Das Plus beim Zinsüberschuss dokumentiert das gute Zinsmanagement, das Plus beim Provisionsüberschuss steht für eine auf den Kunden abgestimmte Vertriebsleistung“, erläuterte Dr. Martin Schilling.

Die in der Rechtsform der „eingetragenen Genossenschaft“ (eG) agierenden Häuser gehören ihren Mitgliedern. Im Jahr 2017 gelang es den regionalen Banken, weitere 8.632 Kunden von den Vorteilen einer Mitgliedschaft bei ihrer Bank zu überzeugen. Insgesamt sind 211.527 Kunden zugleich auch Mitglied bei einem der genossenschaftlichen Kreditinstitute.

Die in den letzten Jahren angekündigten Fusionen wurden allesamt in 2017 erfolgreich vollzogen. Die VR-Bank Rhein-Sieg mit Sitz in Siegburg hat sich mit der Raiffeisenbank Sankt Augustin zusammengeschlossen und die Volksbank Bonn Rhein-Sieg firmiert seit Oktober als Volksbank Köln Bonn, bedingt durch die Fusion mit der Kölner Bank. Nicht nur an dieser Fusion, sondern auch am Zusammenschluss der Volksbank Wachtberg, die nun nicht mehr zum Bankleiterkreis Bonn/Rhein-Sieg gehört,  mit der Volksbank Euskirchen, erkennt man, dass regionale Grenzen bei Bankzusammenschlüssen inzwischen keine Rolle mehr spielen. 

Der Bonner Volksbank-Chef Jürgen Pütz erläuterte: „Die große Herausforderung wird darin bestehen, trotz der neuen Institutsgrößen und der zunehmenden Entfernungen die Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden nicht zu verlieren. Dabei wird und muss uns die Digitalisierung helfen. Auch wenn in den nächsten beiden Jahren, bedingt durch die Umstellung auf ein einheitliches Bankensystem, keine Fusionen anstehen, wird sich der Trend zu größeren Einheiten weiter fortsetzen. 1970 gab es noch 7.000 genossenschaftliche Institute, aktuell ist die Zahl unter 1.000 gesunken.“

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Trotz anhaltender Niedrigzinsphase erhöhten sich die Kunden-Einlagen in den letzten zwölf Monaten um 5,28 Prozent. Damit hatten die Kunden in absoluten Zahlen 371 Millionen Euro mehr an Guthaben auf ihren Konten. Insgesamt wuchs der Bestand zum Jahresultimo auf 7,42 Milliarden Euro (2016: 7,04 Mrd. Euro).

Wie im Vorjahr wurden vor allem kurzfristige Anlageprodukte von Privat- und Firmenkunden nachgefragt. Dies belegt der hohe Bestand im Sichteinlagenbereich, der noch einmal um 8,74 Prozent oder 453 Millionen Euro auf über 5,63 Milliarden Euro (2016: 5,18 Mrd. Euro) angestiegen ist. Die Spareinlagen verzeichneten ein minimales Plus, wohingegen die Termineinlagen und Sparbriefe um weitere 32,50 Prozent abschmolzen, so dass sich zum Ende des Berichtsjahres der Bestand auf 213 Millionen Euro belief.

Dr. Martin Schilling: „Obwohl wir unseren Kundinnen und Kunden dringend raten, eine langfristige Vermögensstrukturierung zu planen, steigen die Sichteinlagen von Jahr zu Jahr weiter an. Unter dem Strich bedeutet dies, dass keine Erträge erwirtschaftet werden können und Tag für Tag Geld vernichtet wird. So traurig es ist, aber alleine mit herkömmlichen Bankprodukten kann Vermögensaufbau heutzutage nicht mehr funktionieren.“

Umso erfreulicher ist es, dass auch die Bestände im Wertpapier- und Fondsgeschäft mit 7,20 Prozent deutlich gestiegen sind. In absoluten Zahlen erhöhte sich der Bestand um 224 Millionen Euro auf 3,34 Milliarden Euro (2016: 3,12 Mrd. Euro). Alle Anleger, die in 2017 in Aktiendirektanlagen oder Fonds investiert haben, können sich glücklich schätzen, denn ein hochprofitables Aktienjahr liegt hinter ihnen. Der deutsche Leitindex hat ein Plus von 13 Prozent eingefahren, womit die sagenhafte Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wurde.

Dank eines anhaltenden Kundenzuspruchs sowie einer robusten konjunkturellen Entwicklung konnten die fünf genossenschaftlichen Kreditinstitute im abgelaufenen Geschäftsjahr ihr Kreditgeschäft erneut ausweiten und weitere Marktanteil hinzugewinnen. „Als Bank für den Mittelstand freuen wir uns sehr, dass viele unserer Privat- und Firmenkunden in Finanzierungsfragen auf unsere Beratungsleistung vertrauen. Nur so ist das seit Jahren anhaltende überdurchschnittliche Wachstum in diesem Bereich zu erklären“, führte Jürgen Pütz aus. „Unterstützend kommt hinzu, dass wir in einer prosperierenden Region arbeiten dürfen und die Investitionsneigung im Mittelstand laut IHK-Umfrage noch nie so hoch war wie im Herbst 2017.“

Das Kreditvolumen wuchs um 411 Millionen Euro oder 7,03 Prozent. Damit verwalten die Banken insgesamt einen Bestand von 6,26 Milliarden Euro (2016: 5,85 Mrd. Euro). Die Privatkunden nutzen nach wie vor die niedrigen Zinsen, um sich den Wunsch von der eigenen Immobilie zu erfüllen, wobei die Immobilienpreise mittlerweile Größenordnungen erreicht haben, die den Marktwert nicht immer widerspiegeln. Im Firmenkundengeschäft wurde das gute Ergebnis maßgeblich durch eine solide Inlands- und Auslandsnachfrage bei den Unternehmen erreicht, aber auch durch steigende Investitionen in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen. Bevorzugt wurden langfristige Zinsvereinbarungen nachgefragt.

Um dem Anspruch einer bedarfsgerechten Beratung Rechnung tragen zu können, ist das Vermittlungsgeschäft eine wichtige Säule des ganzheitlichen Beratungsansatzes. Insgesamt konnte es um 4,31 Prozent zulegen. Der größte Teil mit über 55 Prozent entfällt auf das Wertpapiergeschäft, welches im Gesamtbestand von 6,02 Milliarden Euro (2016: 5,77 Mrd. Euro) mit 3,34 Milliarden Euro (2016: 3,12 Mrd. Euro) enthalten ist.
Bei der Vermittlung von Darlehen mussten sowohl die bankeigenen Hypothekenbanken (-4,59 Prozent) als auch die R+V Versicherung (-1,73 Prozent) Federn lassen. Hingegen stiegen die Bestände bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall (+ 6,66 Prozent), auch nahmen die Genossenschaftsbanken in diesem Bereich viele Darlehen in die eigenen Bücher. Die Bestände im Bereich der Kleinkredite, vermittelt an die Teambank in Form von easyCredits, wuchsen um 5,61 Prozent auf 96,5 Millionen Euro an. Sehr erfreulich verlief hier das Neugeschäft, welches um 18,27 Prozent zulegte. In absoluten Zahlen wurden 5.023 neue easyCredits abgeschlossen, welches einem Plus von 776 Verträgen entspricht.

Die Bausparguthaben legten um 6,66 Prozent auf 481 Millionen Euro (2016: 451 Mio. Euro) zu. Das Neugeschäft gemessen anhand der abgeschlossenen Verträge war allerdings erneut deutlich rückläufig. Konnten in 2016 noch 5.823 Verträge platziert werden, waren es in 2017 lediglich 4.793. Die Rückkaufswerte bei den Lebensversicherungen legten minimal um knapp ein Prozent zu, genauso wie die Neuabschlüsse von Lebensversicherungen um 1,4 Prozent.

Das betreute Kundenvolumen, bestehend aus Einlagen und Krediten sowohl in den Bankbilanzen als auch bei den Verbundpartnern der Banken, stieg  weiter um 5,53 Prozent auf 19,70 Milliarden Euro und lag damit um über 1 Milliarde Euro über dem Vorjahreswert (2016: 18,67 Mrd. €).

1.700 Menschen (-36) haben einen Arbeitsplatz bei einer der fünf Genossenschaftsbanken. Damit zählt die Bankengruppe zu den großen Arbeitgebern in der Region. In Ausbildung befinden sich 140 junge Damen und Herren (-10). Der Rückgang beim Personal um 2 Prozent erklärt sich in erster Linie durch das Ausscheiden älterer Belegschaftsmitglieder. In diesen Fällen versuchen die Banken die frei werdenden Arbeitsplätze durch organisatorische oder technische Maßnahmen einzusparen.

Eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten für Führungs- oder Fachkarrieren boten die Genossenschaftsbanken ihrem Personal, sowohl über die eigenen Akademien der Genossenschaftsbanken als auch Inhouse. Dafür wurden die Banker im abgeschlossenen Geschäftsjahr an 3.151 Tagen freigestellt.

Die Digitalisierung hat schon lange Einzug in das Bankgeschäft gehalten. Das führt dazu, dass immer mehr Kunden die verschiedenen Möglichkeiten nutzen -  online, per App, per Telefon oder in Selbstbedienungsfilialen - weitgehend selbständig das Tagesgeschäft rund ums eigene Konto zu managen. In diesem Zuge steigt die Anzahl der online geführten Konten von Jahr zu Jahr weiter an.

"Banknoten sind nicht rückläufig, das Produktionsvolumen bei Bargeld wächst immer noch leicht", so der Vorstandschef des Münchner Traditionsunternehmens Giesecke & Devrient, dem Weltmarktführer im Banknotendruck. Dies merken die Banken auch am Umsatz an ihren Geldautomaten, deren Anzahl im Laufe des Jahres 2017 nur um zwei Automaten rückläufig war. Mit insgesamt 269 Geldausgabeautomaten versorgen die fünf Genossenschaftsbanken flächendeckend die Bürgerinnen und Bürger mit dem überaus beliebten Bargeld.

„Unser Bekenntnis zu einem flächendeckenden Filialnetz hat nach wie vor Bestand, was sich anhand der unveränderten Zahl von 120 Geschäftsstellen in Bonn, Köln und im Rhein-Sieg-Kreis zeigt“, erläuterte Dr. Martin Schilling. „Allerdings denken wir in diesem Zusammenhang über neue Filialtypen nach. So wird es in Zukunft nicht mehr an allen Standorten die gleichen Dienstleistungen geben können.“

„Die tiefe Verwurzelung in der Region, verbunden mit der Verantwortung für dieselbe, bringen wir durch unser Engagement im Sponsoring- und Spendenbereich Jahr für Jahr zum Ausdruck“, freute sich Dr. Martin Schilling. In 2017 erhöhten sich die Spendengelder um gut 5 Prozent von 927.000 Euro auf 974.000 Euro. Viele gemeinnützige Vereine und Institutionen waren damit in der Lage, wichtige Anschaffungen oder Projekte zu finanzieren.